Lukimya-Flucht aus China

79 Bundesliga-Spiele für Werder bestritt Innenverteidiger Assani Lukimya (32) von 2012 bis zu seinem überraschenden Wechsel ins Reich der Mitte. Jetzt hat die Kongo-Kante die Brocken in China hingeschmissen. In BILD verrät Lukimya die Hintergründe.
BILD: Herr Lukimya, im Januar 2016 wechselten Sie zum FC Liaoning nach China. Wie geht es Ihnen?
 
Lukimya: “Im November haben wir unsere Saison beendet. Aktuell bin ich bei meiner Familie in Deutschland. Ich habe drei spannende Jahre erlebt, eine völlig andere Mentalität und Kultur kennengelernt sowie einige Höhen und Tiefen durchlebt.”
 
BILD: Was meinen Sie damit?
  
Lukimya: “Ich kam nach China, war motiviert und wollte sportlich zeigen, was ich kann. Dass eine andere sportliche Herausforderung auf mich wartete, war klar. Aber es gab auch neben dem Platz einige Barrieren zu überwinden. Den Spielern wurden Versprechungen gemacht, die nicht oder sehr spät eingehalten wurden. Das geht nicht. Immer wieder wurden Spieler aufgrund ausstehender Gehaltszahlungen vertröstet. Oftmals kannten wir die Gründe dafür nicht, die Kommunikation seitens des Vereins war sehr spärlich. Das Vertrauen wird zerstört. Ich warte seit mehreren Monaten auf mein Geld. Deshalb habe ich nun meinen Vertrag gekündigt.”
 
BILD: Welche Erklärung gab es für den Zahlungsverzug?
 
Lukimya: “Da kommen wir zum nächsten Problem. Mit dem Manager kann ich mich wegen der Sprachbarriere, er spricht nur chinesisch, nicht unterhalten. Wir hatten einen Dolmetscher der sich bemühte, aber letztendlich keine Entscheidungen treffen konnte. Dass der Verein kein Geld mehr hatte, glaube ich nicht, da er große Transfereinnahmen zu verzeichnen und nur wenig investiert hatte.”
 
BILD: Haben Sie einen Anwalt eingeschaltet?
 
Lukimya: “Ja, ich sehe mich dazu gezwungen. Denn ich fühle mich mit dem Rücken zur Wand. Jegliche Versuche mit dem Verein eine Lösung zu finden, scheiterten. Deshalb hat er jetzt die Angelegenheit in die Hand genommen.”
 
BILD: Was bedeuten mehrere Monate ohne Gehalt für Sie?
 
Lukimya: “Ich habe natürlich viel verdient, aber es gibt ja auch finanzielle Verpflichtungen, denen man nachkommen muss. Wir werden das schon hinkriegen, aber mehrere Monate zu warten, ist schon krass.”
 
BILD: Welchen Einfluss hatten die ausstehenden Gehälter auf die Leistung der Mannschaft?
 
Lukimya: “Wir hatten eine Super-Mannschaft, doch sie wurde von Jahr zu Jahr geschwächt. Spieler wie Robbie Kruse lösten ihren Vertrag wegen ausstehender Zahlungen auf. Der Abstieg hätte locker vermieden werden können, hätte der Verein seine Spieler korrekt bezahlt. So waren viele Spieler verunsichert. Es war sehr schwer, den Fokus auf das Sportliche zu legen.”
 
BILD: Ziehen Sie nun eine negative China-Bilanz?
 
Lukimya: “Nein, denn ich hatte eine sportlich erfolgreiche Zeit und habe in Shenyang in einer tollen Stadt gelebt. Wir haben hier zeitweise vor 40 000 Fans gespielt, die uns super unterstützt haben. Ich wurde als Abwehrspieler zum Torjäger und von den Kollegen sogar zum Kapitän gewählt. Außerdem war ich in der Liga-Elf des Jahres und bei den Fans beliebt. Ich sagte zu meiner Frau, dass ich mir vorstellen kann, mit ihr und der Familie hier sechs oder acht Jahre zu bleiben. Das ist natürlich vom Tisch.”
 
BILD: Wie geht es für Sie weiter?
 
Lukimya: “Ich bin bereit für eine neue Aufgabe. Ich bin in einem guten Zustand und von nennenswerten Verletzungen verschont geblieben. Ich hoffe, dass ich in Kürze wieder einen passenden Klub finde. China war ein Abenteuer. Jetzt bin ich frei und kann ablösefrei wechseln. Ich habe wieder Lust auf geilen, organisierten Fußball. Gern in Deutschland.”